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An Stelle des Nachwortes DIE AUSSERORDENTLICHE GEWALT IN DER FRUHEN ROMISCHEN REPUBLIK: EIN RECHTSGESCHICHTLICHES MODELL

Nach meiner Forschung uber die auBerordentliche Magistraturen schla- ge ich ein Modell zum Verstandnis von Diktatur, Konsulartribunat, Interregnum und Dezemvirat vor. Es handelt sich um die Begriffe "das auBerordentliche Amt" und „die auBerordentliche Gewalt" in der fnihen romischen Re- publik.
Obwohl es sich um eine grundlegende Frage handelt, findet man in der Geschichtswissenschaft dariiber recht unklare Vorstellungen.

Die auBerordentliche Gewalt materialisierte sich in Rom in der Einrich- tung von auBerordentlichen Magistraturen, wobei nach romischem Verstandnis alle hochste Magistraturen militarische, zivile und judikative Kompeten- zen umfaBten. Moderne Historiker, die sich mit dem alten Rom beschaftigen, gebrauchen Begriffe wie „ordentliche Magistratur" und „auBerordentliche Magistratur", wie „ordentliche Gewalt" und „auBerordentliche Gewalt" ge- wohnlich so, als ob sie sich von selbst verstehen. Sie scheinen ihnen so natiir- lich, daB sie sie meist nachlassig verwenden, ohne ihre Bedeutung zu prazi- sieren. Die Wissenschaftler glauben, daB die jeweilige Bedeutung offensicht- lich ist, und lassen paradoxerweise zugleich erkennen, daB sie Verschiedenes meinen. Sie (ibertragen die quellensprachliche Begrifflichkeit „ ordinarius " [ist gleich] „iiblich, richtig, der Ordnung entsprechend" sowie „extraordina- rius " = [ist gleich] „besonders, ungewdhnlich, auBerordentlich" und verwenden sie dabei im Einklang mit der eigenen, oft oberflachlichen Kenntnis des Gegenstandes. Oft verzichten sie sogar darauf, die Kriterien fur die Klas- sifikation der Amtsgewalt in Rom zu bestimmen, obwohl es wichtig ist. Die antiken Autoren definierten in ihren Werken - so weit sie bis heute erhalten sind - diese Kriterien nicht. Versuche der Systematisierung der romischen Amter wurden im XIX Jh. aber in der deutschen Althistorie gemacht. Diese Bemiihungen um die wissenschaftlich Durchdringung der Problematik sind seitdem unubertroffen.

Theodor Mommsen stellt zwar die auBerordentlichen Magistraturen der Republik der regularen Herrschaft gegenuber, legt aber nicht hinreichend deutlich dar, nach welchem Prinzip er vorgeht.

Er hat vorgeschlagen, die auBerordentlichen Magistraturen in drei Gattungen zu unterscheiden:

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Erstens „die auBerordentlichen Beamte fur auBerordentlichen Amts- geschafte": Ihnen wurden staatliche Aufgaben ubetragen, fur die in jedem Einzelfall ein BeschluB der Gemeinde notig war479

Zweitens „die auBerordentlichen Beamten fur ordentliche Amtsge- schafte"480

Drittens „die Beamten mit constituirender Gewalt'"481Im Rahmen der fnihrepublikanischen Magistraturen nennt er an ver- schiedenen Stellen seiner zahlreichen Werke als auBerordentliche Magistraturen den Diktator, den Interrex, die Dezemviri und die Militartribunen mit der konsularischen Gewalt. Allerdings hat er nur die Dezemviri deutlich der dritten der durch ihn bestimmten, eben vorgestellten Gruppen auBerordentlicher Magistrate zugeordnet. Es sieht so aus, als ob er Konsulartribunen zur zweiten Gruppe zahlte. Wie er den Diktator und den Interrex einstufte, ist nicht klar.

Die Schiiler von Theodor Mommsen Hermann Schiller und Moritz Voigt haben die romischen Magistraturen insgesamt in standige Jahresamter - dazu gehorten Konsulat, Pratur, Adilitat, Quastur, - in ordentlicheunstandige Amter - namlich Diktatur, Konsulartribunat, Censur - und auBerordentliche, jedesmal durch besonderes Gesetz konstituirte Amter wie Dezemvirat, Trium- virat, Landkommissionen unterschieden482 Diese Systematik ist sehr verwir- rend und von einem schweren methodischen Fehler gekennzeichnet: Hier sind namlich Magistrate cum imperio mit solchen Beamten zusammenges- tellt, denen diese hochste Amtsgewalt fehlt. Schiller und Voigt halten mit Mommsen solche Amtsgeschafte fur ordentliche, die im romischen 6ffent- lichen Leben regelmaBig anfielen. Im Unterschied zu ihrem Lehrer meinen sie aber, daB jede Magistratur, die fur die Ausfuhrung solcher Geschafte bes- tand, als ordentliche gelten sollte. Deshalb rubrizieren sie gegen Mommsen den Diktator unter die ordentlichen Beamten.

In der russischen Geschichts- wissenschaft teilt W. M. Chwostov diese Ansicht und bezeichnet also ebenso den Diktator als ordentliche, wenn auch veranderlichen Magistral39

Max Zeller folgt im allgemeinen der von Mommsen begriindeten Systematik im Staatsrecht. Er hat aber eigene Vorstellungen uber die Kriterien entwickelt, wie ordentliche xrnd auBerordentliche Magistrate zu unterscheiden seien. Zu den ordentlichen zahlt er die Beamten, die in der Verfassung vorge- 179

sehen sind, zu den auBerordentlichen jene, die in der Verfassung nicht vorge- sehen sind Folgerichtig betont er, daB nach seinem Verstandnis der Diktator und der Interrex keine auBerordentlichen Beamten seien, weil sie in der Verfassung vorgesehen sind483. AuBerdem rechnet er die Zensoren zu den auBerordentlichen Magistraten484 Er verteilt die auBerordentlichen Magistraturen auf vier Gruppen:

Erstens: die Beamten mit der gesetzgebender Kompetenz. Hierher ge- horen die Dezemviri.

Ftir die zweite Gruppe fehlt eine Definition. Er ordnet ihr die Konsulartribunen zu.

Die dritte und die vierte Gruppe bestehen bei ihm aus solchen Magistraten, die nicht zu den hochsten gehoren, also ohne Imperium sind, wie etwa die Mitglieder von Landkommissionen, die Triumviri fur die Aussen- dung von Kolonien usw.

Ebenso wie bei H. Schiller und M. Voigt ist hier die Vermischung von verschiedenartigen Strukturen zu beobachten.

Ludwig Lange meinte immer liber den auBerordentlichen Status solcher Beamten wie der Interrex, der Diktator, der Reiterfuhrer, die Dezemviri, die Militartribunen mit der konsularischen Gewalt485. Er entwickelt keine eigenen theoretischen Vorstellungen fur seine Ansichten. Da er aber die auBerordentlichen Magistrate als Surrogate der ordentlichen bezeichnet, klassifiziert er sie als Ersatz in alien staatlichen Tatigkeiten.

In der russischen Geschichtswissenschaft schloB sich A. Sinoviev be- sonders eng dem Urteil von Mommsen und Lange uber den Charakter der auBerordentlichen Beamten, wie interrex, dictator; decemviri legibus scribundis, tribuni militum consulari potestate an.

Freilich erscheinen in seinen Listen der ordentlichen und auBerordentlichen Magistrate auch die Beamten ohne Imperium486

Die geschilderte Uneinigkeit der Meinungen in der Geschichtswissenschafl des XIX Jh. war eine der Ursachen dafur, daB nachfolgende Generatio- nen von Historikern beliebig eine der existierenden Konstruktionen ausschrie- ben, ja sie sogar unkritisch kombinierten. Die Diktatur wurde dabei meist zu den auBerordentlichen Magistraturen gezahlt. Die Konsulartribunen galten als ordentliche Beamte. Die Dezemvirn wurden ungefahr in den gleichen Propor- tionen den ordentlichen und den auBerordentlichen Magistraten subsumiert.

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Den Interrex schlieBlich betrachtete man gelegentlich als Magistrat, gelegent- lich auch nicht

Meine eigenen Forschung zu den Strukturen der auBerordentlichen Ge- walt analysieren das Amt des Interrex zusammen mit der politischen Institution des Interregnum sowie die Diktatur, den Dezemvirat und den Militartri- bunat mit der konsularischen Gewalt. In vier Monographien und in vielen Aufsatzen habe ich folgende Thesen begriindet.

Alle diese Beamten waren die Obermagistrate mit dem vollwertigen Imperium. Im Fall des Diktators rei gerundae causa und in dem der Dezem- viri wird dies in der Geschichtswissenschaft allgemein anerkannt. Dieselbe Zuordnung des Interrex und der Konsulartribunen sowie des Diktators immi- nuto iure erforderte eine eigene Argumentation, die ich in den genannten Ar- beiten vorgelegt habe. Nur diese auBerordentliche Amter zahlen in der fruhen Republik zu den hochsten Magistraten mit Imperium. Die Zensoren, die von manchen Historikern hier gelegentlich eingeordnet wurden, hatten kein Imperium. Die Betrachtung der politischen Organisation der romischen Gemeinde in der Zeit vom funften bis zum dritten vorchristlichen Jahrhundert zeigt, daB es auch keine weiteren gibt. Alle diese Magistraturen waren die umstandigen, das heiBt die unregelmSBigen Machtorgane, die sporadisch verwendet sind.

Die begriffliche Spezifikation der „auBerordentlichen Gewalt" findet sich bei lateinischsprachigen Autoren in Wortverbindungen wie «imperium extraordinarium» (Liv.

V. 37. 3; Cic. Leg Agrar. II. 8), «potestas extraordina- ria» (Cic. De Dom. 22; Cic. Pro Sest. 60), «ius extraordinarium» (Gell. N. A. XIV. 7. 5). Alle Substantive, die im Lateinischen die vollziende Obergewalt bezeichnen, konnen also mit dem Adjektiv extraordinarius verbunden werden. Livius und Gellius beziehen die ihnen vertraute Fachterminologie auf die Magistraturen der fruhen Republik. Cicero verwendet sie im zusammenfassenden Sinn, als abstrakte staatsrechtliche Kategorie oder in Bezug auf spatrepublika- nische Beamte. Der Gebrauch der Begrifflichkeit fur „die auBerordentliche Gewalt" ist in den antiken Quellen insgesamt ziemlich selten. Zugleich nennen die Autoren nicht die leitenden Prinzipien, mit deren Hilfe sie die Zuordnung zu den auBerordentlichen Magistraturen vomehmen. Uberlicherweise bezeichnen sie nur die Amtsgewalt der jeweiligen Magistrate mit imperium, potestas, ius; nur manchmal bestimmen sie sie als eine auBerordentliche, wie dies etwa Gellius im erwahnten Fragment mit В lick auf die Konsulartribunen und Dezemviri tut. Deswegen kann man die Zugehorigkeit oder Unzugehorigkeit einzelner Magistraturen zu den auBerordentlichen Gewalten sowie die Bedeu- tung der „auBerordentlichen Gewalt" im staatlichen Aufbau der Romer wah- rend der republikanischen Periode nur dann zutreffend bestimmen, wenn man zuvor auf der Basis der Angaben der Quellen die konkrete Tatigkeit der Beam- 181

ten, die Umstande, unter denen sie zu ihren Amtern kamen, und die Unter- brechung ihrer Amtsgewalt, kurz: wenn man die Funktionsmechanismen dieser Magistraturen erforscht. Meine Schlusse uber das Wesen des romischen Ver- standnisses der auBerordentlichen Gewalt, uber die Strukturen, die in ihr ver- wirklicht wurden, und uber ihre Rolle in der Formung und der Entwicklung des politischen Systems civitas sind gerade ein Ergebnis solcher Analyse.

Der Gedanke, es konne fur kritische Situationen des offentlichen Le- bens notwendig sein, spezielle Regelungen zu treffen und eigene Organe zu schafFen, kam bei den Romern noch in die Konigszeit auf.

Als erster auB- erordentlicher Magistrat mit Imperium wurde der Interrex eingefuhrt, dessen Aufgabe bestand darin, ftir die Kontinuitat der hochsten Macht zu sorgen. Ungefahr zehn Jahre nach der Einrichtung der Republik wurde in Rom die Magistratur des Diktators geschaffen, nach einem halben Jahrhundert der Dezemvirat, und dann einige Jahre spater der Konsulartribunat. Alle diese auBerordentlichen, im Laufe der republikanischen Zeit entstandenen Strukturen beruhten, wie die Analyse zeigt, auf speziellen Gesetzen: lex de dictatore creando, lex de creandis decemviris legibus scribundis, lex de tribunis mi- litum consulari potestate creandis. Diese auBerordentlichen Strukturen wurden in die staatliche Ordnung also nicht allein durch Senatsbeschlusse einge- fiigt, sondern waren durch Abstimmungen in den Komitien legitimiert. Die Annahme der jeweiligen Gesetze schuf die konstitutionellen Grundlagen fur die einzelnen Magistraturen. Deshalb kann ich auf keine Weise mit jenen Autoren ubereinstimmen, die zu den auBerordentlichen Magistraten nur solche rechnen, die in der Verfassung nicht vorgesehen waren, und die Interrex und Diktator allein deswegen fur ordentliche Magistraturen halten, weil sie in der Verfassung vorgesehen waren. Die romische Verfassung war kein monolithisches „Grundgesetz": Jeweils besondere leges und die mores maio- rum, soweit sie sich auf das offentliche Leben bezogen, bildeten eigentlich die Verfassung. Insgesamt ist also festzuhalten, daB alle auBerordentlichen Magistraturen der friihen Republik von der Verfassung vorgesehen waren. Die AuBerordentlichkeit der Gewalt bedeutete in dieser Periode nicht, daB sie „auBerhalb" oder „uber" der Verfassung gestanden hatte.

Alle friihrepublikanische auBerordentliche Magistraturen hatten, wie mir im Zuge meiner Forschungen deutlich wurde, die anlische Hauptprinzipien des Funktionierens. Nachdem jeweils ein Gesetz, wie gesagt, die konstitutionellen Grundlagen fiir die auBerordentlichen Amter gelegt hatte, bedurfte es ftir die aktuelle Einrichtung eines Senatsbeschlusses. Wenn im Falle des Interregnums die Versammlung auf die patres beschrankt wurde, andert das am Prinzip nichts. Die Gemeinde ubertrug also die Macht auf in der Verfassung vorge- sehne auBerordentliche Magistrate, ohne daB deswegen Volksversammlungen 182 РИМСКАЯ ЧРЕЗВЫЧАЙНАЯ ВЛАСТЬ...

einberufen oder Abstimmungen durchgefuhrt wurden. Solche Prozeduren wa- ren nur dann erforderlich, falls die Funktionsbedingungen der schon beste- henden Amter verandert werden sollten: Ein Beispiel ist die Vermehrung der Zahl der Konsulartribunen; dafiir versammelten sich die Komitien.

AuBerordentliche Einzelmagistrate wurden ernannt, Kollegialmagistrate wurden in den Zenturiatskomitien nach den ublichen Regeln gewahlt. Fur alles, mit Ausnahme interrex sowohl erwahlt, (er sich die Curiatorganisation verkorperte, cL h. trat bewuBt in die Zahl patres ein), lex curiata de imperio gefordert wurde. Da die Entscheidung, die Macht einer auBerordentlichen Magistratur zu ubertragen, durch einen SenatsbeschluB getroffen wurde, hat- ten die Volkstribunen keine Moglichkeit, dem durch Einberufung der Volks- versammlung entgegenzutreten.

Kein aufierordentlicher Magistrat handelte in einem „politischen Va- kuum". Die eigene Rolle spielten die Komitien und der Senat; die Veran- derungen trafen zwar fur die vollziehende Macht zu. So lange es an der Spitze des Staates einen Diktator, einen Interrex und Konsulartribunen gab, verloren die Volkstribunen ihre Kompetenzen nicht. Der Versuch, sie zu suspendieren, ist wahrend des Dezemvirates unternommen worden, hat sich aber letztlich nicht als erfolgreich erwiesen. Allerdings war ihr Intercessionsrecht, das wahrend der Amtszeit eines Interrex oder der der Konsulartribunen unvermindert weiter gait, gegen den Diktator aufgehoben. Gegen Entscheidungen des Dik- tators gab es auch keine Provokation an die Volksversammlung, selbst wenn diese das Lebens oder schwere Strafen fur Burger betrafen. Ebensowenig konnte gegen ahnliches Vorgehen der Dezemviri interzediert werden. Interrex und Diktator waren Einzelnmagistrate; der Magister equitum, der dem Diktator beigegeben wurde, kann nicht als gleichberechtigter Kollege betracht werden. Die Dezemviri und die Konsulartribunen waren Kollegialmagistrate. Deswegen waren Interrex und Diktator keiner Intercession durch Kollegen unterworfen. Die Dezemviri und die Konsulartribunen haben sich allerdings dadurch gegenseitig beschrankt. Im zweiten Dezemvirat haben die Magistrate das veto der Kollegen eigenmachtig, das heiBt in Ubertretung der konstitutio- nellen Normen aufgehoben. Interrex und Diktator hatten eine viel kurzere Amtszeit als die kollegial organisierten auBerordentlichen Magistraturen: der Interrex amtiert nur fxinf Tage, der Diktator sechs Monate. Dies diente dem Schutz der Gemeinde vor dem Ehrgeiz einzelner Amtsinhaber. Die auBerst kurze Befristung des Interregnums hatte darin ihren Grund, daB der Amtsinhaber in einer „politischen Leere" agierte, wo es keine anderen Amtstrager gab. Im Falle einer Diktatur wurden die Hochstkompetenzen der ordentlichen Magistrate aufgehoben; aber sie konnten in Ubereinstimmung mit dem Diktator handeln. Dezemviri und Konsulartribunen hatten maximal die Moglich- 183

keit, entsprechend der iiblichen Fristen ffir Obermagistraturen, also hochstens ein Jahr zu agieren. Die Einzelnheit der auBerordentlichen Magistratur war, auf solche Weise, mit abgestumpften Frist der Gewalt verbunden, die Mehr- gegend war mit vollem Frist verkniipft.

Meine Analyse des Umfanges der jeweiligen Vollmachten auBerordent- licher Magistrate hat gezeigt, daB alle diese Magistraten das vollwertige Imperium hatten, das sich auf die Spharen domi und militiae erstreckte. Ich glaube, daB es gerechtfertigt ist, zu folgern, daB das Imperium also die Hochstkompetenz, ins Schicksal der Burger einzugreifen, und oberste Gewalt in ganzem Umfang auszuuben, sowie im Auftrag der Gemeinde die Verbin- dung mit den Gottern zu pflegen - daB dieses Imperium ein einheitliches war, ІЄІ es, daB die ordentlichen, sei es, daB die auBerordentlichen Magistrate darii- ber verfugten. Der Begriff das Imperium war einheitlich nach dem ihm eige- nen Inhalt, und die Ubergabe das Imperium gab dem Magistrat nach dem Curiatgesetz den immer gleichen Umfang von Rechten, ungeachtet dessen, welches Amt er bekleidete.

Deshalb darf die auBerordentliche Gewalt als eine Moglichkeit inner- halb des romischen staatsrechtlichen Systems, nach meiner festen Uberzeu- gung grundsatzlich nicht von der ordentlichen unterschieden werden, wenn es um den Umfang der Kompetenzen und um ihre Reichweite geht. Allerdings war eine hierarchische Abstufung zwischen Imperiumstragern moglich. Dann war der iibergeordnete Magistrat berechtigt, die Anordnungen der rangminde- ren Magistrate zu unterbinden. Es konnte „das Disqualifikationsimperium" seit Sakralstandpunkt (beim Konsul-Suffectus und bei Magistraten mit proro- giertem Imperium - das hing mit der Rolle dieser Amtstrager als Stell- vertreter zusammen, - aber das Imperium eines regular gewahlten oder ernan- nten Obermagistraten war im Hinblick auf den Umfang der damit verbun- denen Befugnisse immer ein und dasselbe. Deshalb unterschied sich die auBerordentliche Gewalt bei den Romern von der ordentlichen gerade nicht durch die jeweils verliehene Gewalt, sondern nur im Hinblick auf Erscheinungsfor- men, die den Kern, eben das Imperium, nicht beruhrten. Es hande'U sich um Regeln, die in die Anwendung des Imperiums eingriffcn und in gewisser Weise beschrankend wirkten: Ich denke an die Moglichkeiten nach dem Pro- vokationsrecht, an die tribunische Intercession, an die auBergewohnliche Zahl der Kollegen oder an die im Vergleich zu den ordentlichen Magistraten kurze Amtsfrist. AuBerordentliche Magistraten sind demnach solche Beamte, die das Imperium im Rahmen besonderer auBerordentlicher Funktionsbedingun- gen innehatten und ausiibten; auBerdem sind sie dadurch charakterisiert, daB sie im politischen Leben nur fallweise in Erscheinung traten. Mit Unregelma- Bigkeit ist nicht gemeint, daB die Magistraturen selten waren: Man konnte oft 184 РИМСКАЯ ЧРЕЗВЫЧАЙНАЯ ВЛАСТЬ...

auf diese Moglichkeit zuriickgreifen. UnregelmaBigkeit bedeutet, daB die Stellen nicht in regelmaBigen Zeitabstanden, in genau definierten Perioden, sondem eben nur in einer kritischen Situation oder Notlage besetzt wurden. Naturlich war es moglich, daB der Senat, der durch einen BeschluB definitiv dariiber befand, ob und daB die Gemeinde nun eine auBerordentliche Magistrate* besetzen sollte, eigene Interessen verfolgte. Er gab dann vor, daB die Lage schwierig oder ausweglos sei. Hier gab es Chancen, „politische Spiele" zu spielen. Aber solcher MiBbrauch spricht nicht dagegen, daB es der eigent- liche Zweck der auBerordentlichen Strukturen war, komplizierte und unvor- hergesehene Aufgaben zu losen und schwierige Lagen zu meistern.

Ich betone die UnregelmaBigkeit als das charakteristische Merkmal der auBerordentlichen Magistraturen und gehe ich dadurch strengstens mit jenen Autoren nicht ein, die die ordentlichen unstandigen romischen Amter (einsch- lieBend in sie den Diktator und die Konsulartribunen) auszeichnen. Die ordent- liche Gewalt war fur die Romer zwar stSndig, begleitend der gewohnlichen Ordnung. Ich kann mich auch der Meinung nicht anschlieBen, daB die regel- maBige Wiederkehr der zu losenden Aufgaben das spezifische Merkmal dafiir ist, daB es sich um ordentliche Magistrate handelt, und daB folglich alle Magistrate, die sich um diese Angelegenheiten kummem miissen (einschlieBlich der Diktatoren), als ordentliche Magistrate gelten sollen. Zum Beispiel war es fur die Romer eine standig sich wiederholende Notwendigkeit, Krieg zu fuh- ren. Trotzdem wurde nicht jedemal ein Diktator ernannt, sondern nur dann, wenn eine schwierige Lage eingetreten war. Demnach ist es meiner Meinung nach nicht sinnvoll und methodisch verfehlt, die auBerordentlichen Magistraturen in erstens „auBerordentliche Beamte fiir ordentliche Amtsgeschafte", in zweitens „auBerordentliche Beamte fur auBerordentlichen Amtsgeschafte" und in drittens „die Beamte mit constituirender Gewalt" zu untergliedern. Sein Imperium gab dem Magistrat das Recht, sich mit beliebigen staatlichen Amtsgeschaften zu beschaftigen. Er konnte also auch zum Beispiel Gesetze systematisieren oder kodifizieren, falls dies fur die Gemeinde notwendig erschien.

Die Bedingungen, unter denen es zu auBerordentlichen Magistraturen kam, lassen sich auch am Beispiel der gesellschaftlichen Konflikte erkennen. Fur die fruhrepublikanische Zeit waren die Standekampfe ein permanentes und charakteristisches Merkmal. Immer wenn sich diese Konflikte zuspitzten und die Existenz der gesamten Gemeinde bedrohten, war sie dazu gezwun- gen, auBerordentlichen Magistraturen einzurichten. Auch hier ging die Einset- zung einer auBerordentlichen Magistratur nicht mit einer Anderung der inhalt- lichen Bestimmung der Aufgaben einher, sondern hing von der jeweiligen be- sonderen Situation ab. Mir liegt daran zu betonen, daB die auBerordentlichen

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Machtorgane zur Ausfuhrung beliebiger Amtsgeschafte eingesetzt wurden, sobald es urn die Erhaltung der civitas oder urn die Durchfuhrung spezieller MaBnahmen ging, die darauf zielten, das Gemeinwesen zu bewahren oder seine Grundlagen zu sichern.

Wenn ich Amter wie das des Interrex, des Diktators, der Dezemviri oder der Militartribunen mit der konsularischen Gewalt betrachte, die von mir als auBerordentliche Magistraturen charakterisiert wurden, komme ich zu folgen- dem SchluB: Die Amtsfuhrung ohne Kollegen, die Befristung auf weniger als ein Jahr, die Bestimmung durch Ernennung und nicht durch Wahl sind wich- tige Merkmale, die es rechtfertigen, von auBerordentlichen Obermagistraten zu sprechen. Aber damit ist deren wesentliches Charakteristikum noch nicht be- aannt. Die Amtsfuhrung ohne Kollegen, die Befristung auf weniger als ein Jahr, die Bestimmung durch Ernennung und nicht durch Wahl konnen deswegen nicht als Kriterien dafiir dienen, bestimmte Beamte cum imperio den auBerordentlichen Magistraten zuzurechnen. Umgekehrt waren die Kollegialitat, die Bestimmung durch Wahl und die Befristung der Magistraturen auf ein Jahr bei den Romern keine ausschlieBlichen Eigenschaflen der ordentlichen Amter.

Die fhih geschaffenen auBerordentlichen Amter erscheinen als Magist- ratur ohne Kollegen, da ihre Einrichtung mit der Epoche der ersten Konige und mit dem Anfang der Republik verbunden ist, als im 6ffentlichen BewuBt- sein noch die Vorstellung herrschte, daB die Konzentration der Macht in einer Hand fur politische und militarische Fiihrung besonders efFektiv sei. Als im Laufe der Zeit die Aufgaben im Bereich der Zivilverwaltung wuchsen und sich die Notwendigkeit zeigte, die rechtlichen Grundlagen des Gemeinwesens zu sichern, haben die Romer versucht, mit den Dezemviri eine kollegiale auBerordentlichen Magistratur zu schafFen. Sie unterwarfen den Dezemvirat ebensowenig wie die Diktatur dem Provokationsrecht und der Intercession der Volkstribunen. Im Gegensatz zur Diktatur aber reduzierten sie die Befristung des Amtes nicht auf weniger als ein Jahr. Freilich muBte sich die Biirger- gemeinschaft dann mit dem Versuch der Dezemviri auseinangezeigt, daB eine vielkopfige Magistratur die Effektivitat der Kriegfuhrung in schwierigen Lagen behinderte. Hier war es hilfreich, die Exekutive insgesamt zu reformieren. Die Romer haben ein differenzierteres System der ordentlichen Amter geschaffen und als auBerordentliche Amter allein Einzelmagistra- turen belassen. Die intensive Suche nach neuen kollegialen Formen fur die auBerordentliche Gewalt in den Jahren 50-40 5. Jh. v. Chr. war nicht zuletzt dadurch gekennzeichnet, daB die Entwicklung der ordentlichen Amtsverhalt- nisse nicht mit den allgemeinen Veranderungen Schritt gehalten hatte. Allerdings hatte es die Umbildung der ordentlichen Amter im 4. Jahrhundert erlaubt, die kollegialen auBerordentlichen Magistraturen aufzugeben.

Die Magistraturen des Interrex, des Diktators, der Dezemviri und der Militartribune mit der konsularischen Gewalt haben jeweils eine spezifische Liicke im politischen System gefullt. Ihre Einrichtung war mit eigenen Ziel- setzungen und Aufgaben verbunden. Zugleich aber erganzten sie sich gegen- seitig wie Teile eines Ganzen. Bis zu einem gewissen Grad waren sie aus- tauschbar: Zum Beispiel konnte sowohl der Interrex als auch der Diktator comitiorum habendorum causa ja sogar ein Diktator mit beliebigem Aufga- benfeld die auBerordentliche Leitung bei den Wahlen zum Konsulat tiber- nehmen. Alle auBerordentlichen Magistraten konnten im Standekampf von den politischen Hebel uberwinden oder die militarische Abwehr von Feinden organisieren. Die Romer haben im Bemuhen, moglichst optimale Formen der politischen Leitungen zu finden, in schwierigen Situationen nicht selten ver- schiedene Moglichkeiten der auBerordentlichen Magistratur erprobt. Als sich die Zahl der Kriegsschauplatze stark vermehrte, bedienten sie sich des Kon- sulartribunates. Als freilich die Konsulartribunen militarisch gescheitert waren, fiihrte man die Diktatur ein. Wenn man die Strukturen der auBerordentlichen Gewalt erforscht, gewinnt man den Eindruck, daB die einzelnen Ele- mente harmonisch aufeinander abgestimmt waren.

Ich habe mich damit beschaftigt, wann bestimmte Magistraturen im politischen System der Romer eingerichtet wurden, wie das geschah und wann sie wieder auBer Gebrauch kamen.

Ich habe betont, wie sich die auBerordentlichen Magistraturen gegen- seitig erganzten und wie flexibel und variationsreich sie in der staatlichen Praxis eingesetzt wurden. Vor diesem Hintergrund mochte ich folgende SchluBfolgerung Ziehen: Die Struktur der auBerordentlichen Gewalt besteht gerade nicht darin, daB es einige unregelmaBig verwendete Machtorgane gibt, die beziehungslos nebeneinander stehen. Die auBerordentlichen Magistraturen bilden vielmehr ein einheitliches System, in dem die einzelnen Elemente lo- gisch aufeinander bezogen und untereinander verbunden sind und das sich folgerichtig aus der historischen Entwicklung ergeben hat.

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Das System der auBerordentlichen Gewalt in der fruhen romischen Republik entwickelte sich in enger Wechselbeziehung mit dem System der ordentlichen Gewalten: Beide waren besondere Bestandteile der vollziehen- den Macht insgesamt. Dabei waren die auBerordentlichen Organe - wie ich nach genauer Analyse jedes einzelnen von ihnen mit GewiBheit feststellen kann - keine Entwicklungsstufen fur die Ausbildung der ordentlichen Ober- magistratur. Die in der Geschichtswissenschaft weit verbreitete Ansicht, daB die Amter des Interrex, des Diktators, der Dezemviri und der Militartribunen mit der konsularischen Gewalt Etappen auf dem Weg der Ausgestaltung des Konsulates waren, ist unbegriindet.

Ich meine, daB wir deutlich unterscheiden mussen zwischen der Bet- rachtung der schrittweisen Ausbildung der Institute der romischen vollzie- henden Macht insgesamt einerseits und der Betrachtung der schrittweisen Ausbildung der hochsten ordentlichen Magistratur andererseits. Beide Pro- zesse gehorchen verschiedenen Entwicklungslogiken, und man darf die Be- dingungen des einen nicht dem anderen unterschieben. Die Ausbildung der Elemente des Systems der ordentlichen und des Systems der auBerordentlichen Gewalt folgte meines Erachtens jeweils eigenen Entwicklungslinien. Jeweils ging es darum, Funktionsmangel der exekutiven Gewalt insgesamt zu beheben. Indirekt wirkten so Neuerungen in der auBerordentlichen und in der ordentlichen Magistratur aufeinander, ohne daB man den die erreichten Entwicklungsstufen des einen Systems als Etappe fur die Entwicklung des anderen betrachten dtirfte. Diese Unterscheidungen sind wichtig, weil davon das theoretische Verstandnis der ersten hundertfunfzig Jahre Verfassungsent- wicklung der romischen Republik von ihrem Anfang bis zu den Reformen in der Mitte des vierten Jahrhunderts abhangt. Ich halte die Ansicht fiir verfehlt, es habe eine ordentliche, auf ein Jahr befristete Diktatur oder ein ordentliches Interregnum gegeben.

Ich pladiere dafiir, bei der Rekonstruktion einer allgemeinen Theorie uber die Ausbildung des romischen Staates in der Zeit der Republik in die ersten anderthalb Jahrhunderten die Entwicklungsprozesse der ordentlichen und auBerordentlichen Gewalten getrennt zu betrachten. Ich glaube, daB es am Anfang der Republik als hochste ordentliche Magistratur eine Pratur gab; das Prinzip der Kollegialitat war noch nicht entwickelt. Die Entstehung des eigent- lichen Konsulats fallt in die Zeit nach der zweiten Secession der Plebejer und nach dem Dezemvirat. Dieses hochste ordentliche Amt hat seine endgiiltige Auspragung in der paritatischen Representation der Stande nach den licinisch- sextischen Reformen erhalten. Wahrend der Zeit der Transformation der urs- priinglichen Pratur in den Konsulat bis hin zu diesen Reformen sind weitere Organe der exekutiven Gewalt entstanden. Sie erganzten das System. Ihre 188 РИМСКАЯ ЧРЕЗВЫЧАЙНАЯ ВЛАСТЬ...

Funktion wurde in den Gesetzen des Jahres 367 v. Chr. geregelt. Gleichzeitig mit der Ausbildung des Systems der ordentlichen Gewalt vollzogen sich die Ausbildung und Vervollkommnung des Systems der auBerordentlichen Institute. Dabei entwickelte Prinzipien sowie Erfahrungen wurden auch auf die Bestimmung der Wirkungsweise der ordentlichen Organe iibertragen. So wurde zum Beispiel zum ersten Mai im Dezemvirat das Prinzip der echten Kolle- gialitat entwickelt. Dies spielte dann beim Ubergang von der primitiven Pratur mit der Hierarchie der Magistrate zu einem Paar von Konsuln mit gleichen Rechten und der Moglichkeit der kollegialen Intercession eine wichtige Rolle. Um weitere Beispiele zu nennen: Zum ersten Mai wurde im Dezemvirat das Prinzip der Representation der Stande angewandt. Entwicklungen im Konsu- lartributat wurden bei der Umgestaltung der ordentlichen exekutiven Gewalt in der Mitte vierten Jh. v. Chr. aufgegriffen und in der Prazisierung als Paritat gefestigt.

Lassen Sie mich den Kern meiner These noch einmal betonen: Bei der Entwicklimg der ordentlichen und der auBerordentlichen Magistraturen lassen sich wechselseitige Einftosse feststellen. Beide trugen zum allgemeinen Pro- zeB der AusprSgung und Verollkommnung der exekutiven Gewalt bei, aber eben vor allem in ihren eigenen Zusammenhangen. Die Entwicklungsstufen im einen Bereich waren nicht automatisch Etappenschritte des anderen, son- dem die Linien liefen seit dem funften vorchristlichen Jahrhundert parallel.

Der romische Staat wurde von einer Elite gefuhrt, die sich aus einem engen Personenkreis rekrutierte. Er entwickelte sich nicht zuletzt aus der Konkurrenz um die Macht, die einzelne Personen und die hinter ihnen stehenden Gentes austrugen.

Eliten konnen nach den Beobachtungen von Wolfgang Reinhard ent- weder Werteliten oder Funktionseliten sein487 In Rom waren kamen Trager der staatlichen Obergewalt zunachst aus dem Kreis der patrizischen Gentes, die zugleich im allgemeinen BewuBtsein als besonders zur Gemeindeleitung befahigt angesehen wurden. Im Laufe der Zeit laBt sich beobachten, daB diese Identifikation nicht mehr fraglos gait. Fur Plebejer offneten sich freilich zunachst die auBerordentlichen kollegialen Amter, in denen die Patrizier aller- dings zunachst in der Uberzahl blieben.

Auf der Basis einer Rekonstruktion der Funktions weise jeder einzel- nenn Magistratur habe ich hier ein eigenes theoretisches Modell fur das Ver- standnis der auBerordentlichen Gewalt in der von mir betrachteten Epoche vorgetragen. Das Wesentliche zusammenfassend m6chte ich festhalten:

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Ich sehe den Unterschied zwischen der auBerordentlichen Gewalt und der ordentlichen Gewalt in Rom nicht darin, daB sie verschieden weit reichende Vollmachten hatte: Deren Umfang war vielmehr gleich und beruhte auf dem imperium. AuBerordentliche und ordentliche Magistraturen sind nach Kriterien zu differenzieren, die mit dem Kern des Imperiums nichts zu tun haben; dazu gehort zum einen die Ausweitung von dessen Funktionsbereich - wobei zugleich Mechanismen entwickelt wurden, die vor MachtmiBbrauch schiltzen sollten. Zum anderen ist es fur die auBerordentlichen Magistraturen bezeichnend, daB sie nicht in regelmafligen wiederkehrenden Zeitabstanden besetzt wurden. (2)

Die Formen der romischen auBerordentlichen Gewalt verstehe ich als Teile eines einheitlichen Systems, die untereinander verbunden waren und die sich nach ihren eigenen Gesetzen entwickelt haben und dabei allgemeine Bediirfhisse der Ordnung des Gemeinwesens erfiillten. (3)

Ich betrachte den ProzeB, wie sich die Organe der auBerordentlichen Gewalt ausbildeten, als eine selbstandige Entwicklung neben der Ausdifferen- zierung der ordentlichen Magistraturen. SchlieBlich bestreite ich, daB die Funktionsweise der auBerordentlichen Strukturen direkt mit der Formung des Konsulates in den ersten anderthalb Jahrhunderten der Existenz der Republik verknupft gewesen sei. (4)

Die Besonderheit der romischen exekutiven Gewalt bestand meines Erachtens zum einen darin, daB sie in zwei Entwicklungsreihen zu unterglie- dern ist - die der ordentlichen und die der auBerordentlichen Organe. Das ist ein wichtiger Unterschied im Vergleich mit den griechischen Poleis, wo es zwar auBerordentliche Vollmachten gab, aber eben kein eigenes System spe- ziell fur die auBerordentlichen Amter. Zum anderen beruht die Besonderheit Roms darauf, daB ordentliche und auBerordentliche Vollmachten auf einem und demselben, seinem Charakter nach unveranderlichen Imperium beruhten, das es sonst in keinem antiken Gemeinwesen gab.

Nicht der Inhalt der Tatigkeit der Magistrate, sondern die Krisen- haftigkeit der Umstande, in denen sie zu ihren Amter kamen und sie ausilbten, unterscheiden die romischen auBerordentlichen Beamten von den ordentlichen. Nicht der Umfang ihrer jeweiligen Vollmacht, sondern die Mechanismen, wie das Imperiums im Handeln umgesetzt werden konnte, bilden den Hauptunterschied zwischen der auBerordentlichen und der standi- gen Gewalt der friihen Republik. Die in der archaischen Epoche geschaffenen Strukturen der auBerordentlichen Gewalt spielen nicht nur eine wichtige nach meiner Ansicht selbstandige Rolle beim Entstehen des politischen Systems der romischen Republik, sondern sind auch einer der wichtigen Faktoren dafur, daB diese Republik so lange so stabil gewesen ist.

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Источник: Дементьева В. В.. Децемвират в римской государственно-правовой системе середины V в. до н. э. М.: Инфомедиа Паблишерз. - 212 с.. 2003

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